TOP Ö 2: Entwicklung eines Familienbüros
hier: Sachstandsbericht

Herr Dunker referierte zur geplanten Einführung des Angebotes eines Familienbüros in der Stadt Kamen. Hierzu führte er aus, dass die SPD-Fraktion im Jahr 2012 einen entsprechenden Antrag gestellt habe und der Fachbereich Jugend, Schule und Sport sich vorstellen könne, die im Antrag formulierten Ansätze der Intensivierung früher Hilfen umzusetzen. Insbesondere präventive und unterstützende Jugendhilfeangebote, sowie Beratung und Vermittlung würden zukünftig immer wichtiger. Die rechtlich vorgegebenen Aufgabenbereiche des Wächteramtes und der Service­funk­tion des Jugendamtes könnten hierdurch bürgerfreundlich entkoppelt werden. Herr Dunker stellte dar, das zunächst geplant sei, an einem Tag in der Woche für drei Stunden (z.B. von 15.30 bis 18.30 Uhr) den Service familienorientiert anbieten zu wollen. Dies könne zukünftig (frühes­tens ab Frühjahr 2014) in den vermutlich bis dahin freigezogenen Büros des Jobcenters im Rathaus geschehen, in denen hauptamtliche Kräfte des Fachbereichs und evtl. Familienhe­bam­men beraten, Termine koordinieren und an die Fachdienste sowie an freie Träger mit deren Angeboten vermitteln sollen. Herr Dunker stellte heraus, dass das Vorhaben nach ca. einem halben bis dreiviertel Jahr evaluiert werden müsse um Rahmenbedingungen und Angebote angleichen zu können. Er kündigte eine konkrete Vorlage hierzu für die Sitzungen des Ausschusses nach der Sommer­pause an.

 

Herr Brüggemann betonte die benötigten Bürokapazitäten im Rathaus und verwies auf die von Herrn Dunker angekündigte Vorlage, in der weitere Informationen zur Struktur, zum Personal, den geplanten Zeiten, etc. enthalten sein werden.

 

Frau Scharrenbach erklärte, dass sich die CDU-Fraktion der FDP-Position aus dem Jahr 2012 angeschlossen habe, die auf die vorhandenen Strukturen und Angebote der nahegelegenen Familienbande verwies. Sie ermahnte, hierzu keine Doppelstrukturen zu schaffen und die vor­handenen Bundesmittel sinnvoll auszunutzen. Das Angebot an nur einem Tag für drei Stunden planen zu wollen, hielt sie für nicht ausreichend und erklärte, dass allein die Dokumenta­tionszeit der Beratungen das vorgesehene Zeitkontingent überschreiten würde. Hierzu verwies sie auf die Arbeit in der Institution Familienbande e.V., die über den ganzen Tag verteilt Anrufe und Nach­fragen erhielten und bearbeiteten.

 

Herr Brüggemann führte aus, dass die Verwaltung dauerhaft und intensiv im Dialog mit dem Verein Familienbande sei und dass die Anbindung eines Familienbüros bewusst nicht bei nur einem Träger gewünscht sei. Die Übernahme der Aufgabe durch die Verwaltung sichere somit die Gleichstellung aller freien Träger und gleichzeitig die neutrale Angebotskoordination.

 

Herr Dunker erklärte hierzu ergänzend, das gerade die Einbindung eines Familienbüros in die Zuständigkeit des Jugendamtes dazu geeignet sei Doppelstrukturen zu vermeiden, da sowohl Prävention als auch das Wächteramt in dessen Zuständigkeit lägen.

 

Frau Schaumann betonte, dass die interne Verortung eines Familienbüros der Wille der Ver­waltung sei. Sie hielte die Anbindung an den Verein Familienbande für effektiver, insbesondere deswegen, weil dort bereits ein Familienbüro existiere. Überdies verwies sie darauf, dass Eltern sich wegen der gegebenen Funktion des Wächteramtes eher scheuen würden, das Jugendamt aufzusuchen.

 

Herr Brüggemann entgegnete Frau Schaumann, dass diese Einschätzung subjektiv sei und verwies auf die mehrfach dargestellte positive Arbeit der Kolleginnen und Kollegen des Fach­bereichs Jugend.

 

Frau Möller erklärte, dass die dargestellte geplante Zeitstruktur der Beratung in einem Fami­lienbüro an einem Tag mit nur drei Stunden zu knapp bemessen sei. Hinsichtlich der vorgestell­ten Räumlichkeiten für ein Familienbüro im Rathaus, wies sie das Bürgerhaus Kamen-Methler oder das Jugendfreizeitzentrum Kamen-Mitte, mit ihrer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung, als geeigneter aus. Mit der geplanten Übernahme der Aufgaben eines Familienbüros durch die Stadt Kamen, so vermutete Frau Möller, würden doch Doppelstrukturen geschaffen.

 

Herr Brüggemann verwies auf die zukünftig im Rathaus verfügbaren Räumlichkeiten, welche zentral in der Stadt gelegen seien und in der Nähe zu vielen Anbietern von Hilfen lägen.

Überdies sei der Parkraum an den Nachmittagen komfortabel und der Zugang zu ÖPNV und SPNV vorbildlich. Hinsichtlich der Dauer der geplanten Beratungszeiten verwies er auf zu sam­melnde Erfahrungen und die dann mögliche Angleichung, die sich an den Erkenntnissen des konkreten Bedarfs orientieren werde.

 

Herr Dunker unterstützte die Ausführungen von Herrn Brüggemann, in dem er darauf verwies, dass die Lage des Familienbüros innerhalb des Rathauses, so das denn wie gewünscht realisierbar sei, praktische Hintergründe wie z.B. kurze Wege und die Nutzung von Netzwerken biete und dass u.a. hierdurch die Betreuung breit aufgestellt sei. Hinsichtlich der geplanten Öffnungszeiten zeigte er sich offen und verwies darauf, Kapazitäten nach Bedarf freisetzen zu wollen. Er unter­strich klar, dass der öffentliche Träger der Jugendhilfe viele Aufgaben - auch in Kooperation mit den freien Trägern – wahrnehmen würde und das im Kinder- und Jugendhilfegesetz der Rechts­an­spruch auf Beratung gegeben sei.

 

Frau Schaumann hob hervor, dass die Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs gute Arbeit leisten würden, jedoch viele Eltern eher zurückhaltend bei der Kontaktsuche im Rathaus seien. Sie erkundigte sich auch danach, ob die geplante Beratung durch Familienhebammen zeitlich zusätzlich vorgesehen ist oder ob dieses Beratungskontingent innerhalb der normalen Arbeitszeit der Hebammen zu leisten sei und hierdurch von der ursprünglichen Tätigkeit abginge.

 

Herr Dunker entgegnete hierzu noch keine Aussage treffen zu können, da konkrete Einsatz­pla­nungen noch nicht vorlägen.

 

Frau Schaumann resümierte, dass es für ein zu planendes Servicebüro zunächst geboten sei, zu prüfen, welche Aufgaben bereits an anderen Stellen erfüllt würden, damit Bundesprojektmittel sinnvoll eingesetzt würden. Sie hielt die vorgestellte Planung der Öffnungszeiten für zu gering und wünschte sich hierzu eine offene Beschlussvorlage.

 

Herr Brüggemann stellte das Vorhaben als serviceorientiert heraus und erklärte hierzu KollegInnen verschiedener Professionen zusammenziehen zu wollen, um so eine Orientierung für qualifizierte Hilfen geben zu können. Eine Verortung des Angebotes bei freien Trägern schloss er aus.

 

Herr Klanke hielt die vorgesehenen Öffnungszeiten ebenso für zu knapp, verwies hierzu aber auch auf die Möglichkeiten der personellen Umsetzung. Diese sollte jedoch so geplant sein, das schnell und flexibel auf Bedarfe reagiert werden könnte. Herr Klanke betonte die Abkopplung des Familienbüros von den Aufgaben des Wächteramt beim Jugendamtes und sah hierin die Mög­lich­keit eines guten Angebotes für Familien.

 

Frau Dombrink berichtete aus ihrer Sichtweise als Mutter über Schwellenangst, wenn der Kon­takt zum Jugendamt gesucht würde. Sie erklärte diese persönliche Einschätzung damit, dass das Image von Jugendämtern allgemein negativ besetzt und deswegen eine positive Werbung für die Arbeit von Jugendämtern notwendig sei.

 

Herr Brüggemann ordnete das von Frau Dombrink benannte negative Image des Jugendamtes in die Erkenntnisse aus der Eingriffsverwaltung ein, über die in den Medien gerne, aber auch häufig unvollständig, berichtet werde. Er verwies aber auch auf die vielen positiven Angebote wie z.B. die der Kulturarbeit und die der Freizeitgestaltung. Viele Eltern seien sehr froh über die viel­fältigen Angebote.

 

Herr Kampmann griff die Ausführungen von Frau Dombrink auf und erklärte, dass das geplante Familienbüro eine positive Werbung für das Kamener Jugendamt sei. Er berichtete von eigenen Erfahrungen aus dem Schulalltag hinsichtlich der Schwierigkeit bei der Beantragung von Hilfen. Eine erste Beratung, ein erster Schritt, so betonte er, baue Hemmungen ab und könne durch ein Familienbüro gut und sinnvoll geleistet werden.

 

Herr Weber betonte, dass durch den Verein Familienbande ein Familienbüro betrieben würde und erkundigte sich nach einer evtl. geplanten Einbindung oder möglichen Kooperation.

 

Herr Brüggemann stellte den Verein Familienbande als wichtigen Partner in der engagierten Kamener Trägerwelt heraus.

 

Herr Ritter erklärte die Diskussion als sehr mühsam und verwies auf die Grundsatzentscheidung der letzten Sitzung des JHA im Jahr 2012. Hierzu betonte er den Auftrag an die Verwaltung, hin­sichtlich der Umsetzung eines Familienbüros tätig zu werden. Er betonte, dass die erneuten Dis­kussionen hierzu nicht hilfreich seien, bzw. die Debatte nicht neu zu beginnen sei. Er wünsch­te sich für die zukünftige Arbeit des Familienbüros die Berücksichtigung aller Stadtteile und riet an, nach einer Evaluation der Arbeit die Sozialräume zu berücksichtigen.

 

Eine derartige Erörterung sagte die Verwaltung zu gegebener Zeit zu.

 

Herr Brand schlug vor, Werbung für das Familienbüro über das Medium Internet zu planen, da seine Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit diesen Zukunftstrend bestätigen.

 

Frau Dyduch warb dafür, Herrn Dunker weiter an der Umsetzung und der Entwicklung des Projektes arbeiten zu lassen und die Beschlussvorlage abzuwarten.