TOP Ö 1: Teenagermüttergruppe der Stadt Kamen
Bericht: Sabine Feike, Carmen Meyd

Herr Gibbels, Sachgebietsleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) der Stadt Kamen, stellte das Projekt „Teenagermütter“ vor, das der Förderverein für Jugendhilfe e.V. in Kooperation mit dem Fachbereich Jugend durchführt. Er gab an, dass der Fachbereich die Gründung einer solchen Gruppe angeregt habe, um der steigenden Zahl von Kindesvernachlässigung entgegenzuwirken. Besonders junge Mütter seien im alltäglichen Umgang mit ihrem Kind auf Unterstützung angewiesen. Die Teenagermüttergruppe sei Mithilfe der finanziellen Unterstützung von „Gelsenwasser“ durch den Förderverein im Sommer des letzten Jahres ins Leben gerufen worden. Die jungen Mütter wurden entweder durch den Fachbereich Jugend oder durch Kamener Schulen vermittelt. Wenn dem Fachbereich eine mögliche Teilnehmerin für diese Gruppe bekannt werde, erfolge ein Hausbesuch durch die Gruppenleiterinnen. Durch dieses niederschwellige Angebot seien die jungen Mütter eher bereit, die Gruppe zu besuchen als wenn das Jugendamt ihnen diesen Vorschlag unterbreite. Die Maßnahme werde seitens der Jugendhilfe als so wichtig eingestuft, dass die Gruppe, auch nachdem die Spende von Gelsenwasser aufgebraucht worden sei, weitergeführt werde. Das Gruppenangebot sei ein wichtiger Aspekt in der Präventionsarbeit, um möglichen Kindeswohlgefährdungen vorzubeugen. Er entschuldigte Frau Feike, die für heute kurzfristig absagen musste, da sie einen wichtigen Termin gemeinsam mit einer der jungen Mütter ihrer Gruppe wahrnehmen müsste.

 

Anschließend stellte Frau Meyd die Arbeit mit den jungen Müttern vor. Sie berichtete, dass hierbei die Pflege und die Versorgung der Kinder im Mittelpunkt stehe. Daneben gehe es schwerpunktmäßig entweder um die Fortsetzung der Schullaufbahn oder die Entwicklung einer Berufsperspektive für die jungen Mütter. Die Lebenssituation der einzelnen Frauen sei trotz vieler Gemeinsamkeiten sehr unterschiedlich. Deshalb sei die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der einzelnen ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Um diesen unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden, treffe sich die Gruppe z.B. an unterschiedlichen Tagen und zu verschiedenen Zeiten. Sie selbst leite die Gruppe dienstags von 17.00 – 20.00 Uhr und Frau Sabine Feike leite die Gruppe montags von 9.00 – 12.00 Uhr. Durch diese zeitliche Aufteilung haben sowohl die Frauen, die noch zur Schule gehen , als auch die Frauen, die bereits einen Berufsweg eingeschlagen haben, die Möglichkeit, dieses Angebot wahrzunehmen.

 

Auf die Fragen von Frau Gerdes erklärte Frau Meyd, dass sich das Angebot an Frauen bis zum 20. Lebensjahr richte. Diese Altersvorgabe sei aber nicht ganz starr. Der Förderbedarf der jungen Mütter sei sehr unterschiedlich. Gemeinsam sei dabei allen Frauen, die Unsicherheit im Umgang mit ihrem Kind. So stelle z.B. für die meisten von ihnen ein Besuch beim Kinderarzt eine Überforderung dar. Deshalb werden die Frauen von ihr oder von Frau Feike dahin begleitet.

 

Frau Meyd bestätigte Frau Bartosch in der Auffassung, dass ein wichtiger Aspekt dieser Gruppe auch der Kontakt und der Austausch untereinander sei. In der Regel seien die jungen Mütter sehr isoliert, da sich ihr Alltag ganz anders gestalte als der ihres gleichaltrigen Umfeldes.

 

Frau Wagner erkundigte sich, ob sie als Leiterin der Gruppe auch eine Kontrollfunktion im Hinblick auf Kindeswohlgefährdung habe und ob auch die Väter mit einbezogen werden.

 

Frau Meyd erklärte hierzu, dass ihr Blick diesbezüglich natürlich geschärft sei und sie und Frau Feike sicherlich die ersten seien, die dem Jugendamt ggf. entsprechende Hinweise geben. Schriftliche Berichte werden dann ebenfalls verfasst. Wenn die Frauen mit den Vätern ihres Kindes noch zusammen seien, werden die Frauen darin unterstützt, die Verantwortung für das Kind gemeinsam mit ihrem Partner zu tragen.

 

Abschließend wies Frau Meyd auf die guten räumlichen Voraussetzungen im Frauencafe hin. Sowohl das Vorhandensein einer Spielecke im Gruppenraum sei sehr vorteilhaft als auch das Vorhandensein einer Küche, um gemeinsam mit den jungen Müttern Mahlzeiten für ihre Kinder zubereiten zu können. Kaum eine der jungen Frauen sei in der in der Lage, ihren Kindern Speisen selbst zuzubereiten. Es zeige sich in der Gruppenarbeit immer wieder, dass die jungen Mütter selbst noch Kinder bzw. Jugendliche seien, aber sich wie Erwachsene um ihr eigenes Kind kümmern müssen. Das Angebot der Teenagermüttergruppe werde deshalb von den Teilnehmerinnen dankbar angenommen. Sie bekommen durch eine vertraute Person Anleitung zur selbständigen Versorgung ihres Kindes und Unterstützung bei der Bewältigung ihres Lebensalltages.